2000

Nur 6,7% der Hamburger Schulabgänger mit Hauptschulabschluss wechseln direkt nach Schulende in eine ungeförderte betriebliche Ausbildung. Und das, obwohl in Hamburg ca. 35% aller Schulabgänger eines Jahrgangs die Schule mit oder ohne Hauptschulabschluss verlassen (darunter 40% ausländischer Herkunft).

Auf Basis dieser Ausgangslage entschlossen sich Dr. Michael Otto (Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group) und Bernd Wrede (der damalige Vorstandsvorsitzende der Hapag Lloyd AG) mit den Unternehmen in der Hamburger „Initiative für Beschäftigung“, Jugendliche mit Hauptschulabschluss bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu unterstützen.

Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit, den ersten zehn Schulen und der Arbeitsstiftung Hamburg wurde das Hamburger Hauptschulmodell entwickelt. Ziel war es, dass jeder Hamburger Schulabgänger mit Hauptschulabschluss, der einen betrieblichen Ausbildungsplatz sucht, auch einen solchen findet. Dieser sollte den jeweiligen Stärken und Interessen entsprechen.

Das Konzept „Hamburger Hauptschulmodell“ basiert auf einem 3-Pfeiler-Konzept:

  • Lehrer,
  • Berufs­berater der Bundesagentur für Arbeit und
  • Personalfachleute aus Betrieben

sollen bei der Berufsorientierung der Schulabgänger im Abschlussjahr folgendermaßen zusammenwirken:

  • Zu Beginn des letzten Schuljahres werden in der Schule die Stärken und Interessen der Schüler durch ihre Lehrer ermittelt. Hierbei wird vor allem auch solchen Stärken bzw. Fähigkeiten eine besondere Bedeutung beigemessen, die im Schulalltag nicht unbedingt zur Geltung kommen.
  • In der Berufsberatung der Arbeitsagentur werden auf Basis der festgestellten Stärken und Interessen passende Ausbildungsberufe gesucht, fachliche und persönliche Voraussetzungen geklärt sowie Vermittlungsvorschläge unterbreitet.
  • Personalreferenten der Partnerunternehmen der jeweiligen Schule bieten ausbildungs­interessierten Schülern eine individuelle Beratung an. Dabei erhalten die Jugendlichen ein Feedback dazu,
    • ob sie ihre Berufswahl schlüssig begründen können,
    • ob sie sich gut über die Aufgaben und Anforderungen ihres Wunschberufs informiert haben und
    • ob ihr Auftreten und ihre Bewerbungsunterlagen passen bzw. wo es noch Möglichkeiten zur Verbesserung gibt.

Die Koordinierungsstelle Ausbildung bei der Arbeitsstiftung Hamburg ist Anlaufstelle für Schulen, die Bundesagentur für Arbeit und Betriebe. Sie organisiert die Beratung der Schüler und betreut sie, bis sie den geeigneten Ausbildungsplatz gefunden haben. Sie ist auch Ansprechpartner bei Problemlagen, um so Ausbildungsabbrüche zu verhindern.

Ein Planungs- und Steuerungssystem für die Schulen und die Schulbehörde stellt sicher, dass keine motivierte Abgangsschülerin und kein motivierter Abgangsschüler mangels rechtzeitiger Unterstützung einen für sie/ihn passenden und möglichen Ausbildungsplatz verfehlt. So wird bereits während des letzten Schuljahres Transparenz über den Stand der Orientierung und Vermittlung für jeden Schüler/in hergestellt. Dem dient auch die Erfassung der Schülerprofile in einer auf Vermittlung ausgelegten Datenbank, die sowohl harte Fakten als auch sogenannte Soft-Skills aufnimmt. So gelingt ein besserer Abgleich zwischen Schülerqualifikationen und den Anforderungen ausbildender Betriebe. Schulleitung, Schulaufsicht und Behördenleitung erhalten viermal jährlich eine Rückmeldung über den aktuellen Anschluss-Stand der Schüler*innen aus den Abschlussklassen einschließlich einer Prognose zum Schuljahresende.

2001

Die „Koordinierungsstelle Ausbildung“ wird gegründet. Diese bildet das organisatorische Zentrum des Modells und dient als Lotse für Schüler*innen und Unternehmen.

2005

Innerhalb von nur fünf Jahren ist es durch die enge Zusammenarbeit von Schulen, Behörden und Unternehmen gelungen, die Vermittlungs­quote von Hauptschülern und Hauptschülerinnen in ungeförderte betriebliche Ausbildung in Hamburg zu verdoppeln.

Das Hamburger Hauptschulomodell gewann den Carl-Bertelsmann-Preis (heute Reihard Mohn Preis). Dabei konnte es sich gegen 180 Projekte aus ganz Europa durchsetzen und belegte den ersten Platz. Das Preisgeld von 150.000 Euro bildet den Grundstock für die Stiftung Hamburger Hauptschulmodell, mit der die schulische Bildung gefördert werden soll.

2008

Eine dreijährige Förderung erhielt das Modell 2008 von der britischen Private Equity Foundation. Sie sprach dem Hamburger Hauptschulmodell insgesamt 180.000 Euro zu, die für die Übertragung des Modells in andere Regionen sowie zur Entwicklung von Qualitätsstandards bestimmt sind.

2009

Die Quote der Übergänge in die ungeförderte duale Ausbildung im unmittelbaren Anschluss an die allgemeinbildende Schule konnte seit 2001 nahezu verdreifacht werden und liegt jetzt bei 18,8 %.

2010

Seit 2010 wird schrittweise ab Klasse sieben die Stadtteilschule als alleinige Schulform neben dem Gymnasium in Hamburg eingeführt. Das Hauptziel des Modells besteht in einer deutlichen Erhöhung der Übergänge in die ungeförderte duale Ausbildung. Daneben sollen positive Effekte durch die Zusammenarbeit von Schulen und Unternehmen gefördert werden. Dies soll einerseits durch eine verbesserte Berufsorientierung an den Schulen und andererseits durch eine Sensibilisierung der Unternehmen für die Potenziale der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss erreicht werden.

2011 – 10 Jahre Hamburger Hauptschulmodell

Im Vergleich zum Projektstart im Jahr 2001 konnte die Anzahl der Hauptschulabgänger, die direkt nach der Schule in eine ungeförderte Ausbildung starten, verdreifacht werden. Inzwischen wird das Projekt – eine Kooperation von 91 Hamburger Schulen, 75 Unternehmen und Organisationen, dem Hamburger Senat sowie der Berufsberatung – in 19 weiteren Regionen in Deutschland angewendet.

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2012

In Hamburg wechseln jetzt direkt 25% aller Schulabgänger mit Hauptschulabschluss in die ungeförderte betriebliche Ausbildung. Das sind 50% der Jugendlichen, die eine betriebliche Ausbildung anstreben, darunter 35% mit ausländischer Herkunft!

Positiv anzumerken sind auch die Einsparungen von ca. 10.000 Euro für jeden Schüler und jede Schülerin, der/die ohne das Hamburger Hauptschulmodell in öffentlich finanzierten Vorbereitungsmaßnahmen aufgefangen worden wäre.

2013

Übergabe der Initiative „Hamburger Hauptschulmodell“ an die Jugendberufsagentur (JBA) und Auflösung der Koordinierungsstelle. Alle Mitarbeiter der Koordinierungsstelle erhalten eine Anstellung in der JBA oder in den Hamburger Instituten für berufliche Bildung (HIBB).

Seit 2013 gibt es den Begriff „Hauptschule“ in Hamburg nicht mehr. Hier spricht man nun vom Ersten allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA). Deshalb haben wir uns umbenannt: aus dem „Hamburger Hauptschulmodell“ wird HANz! Hamburger Ausbildungs-Netzwerk.

Zukünftig soll die Beratung auch allen Schüler*innen der Sekundarstufe I und Oberstufenabbrecher*innen angeboten werden. Die Jugendlichen bekommen „Hilfe aus einer Hand“, d.h. sie müssen nicht mehr zu verschiedenen Beratungsstellen laufen, sondern haben eine Anlaufstelle. Der kostenlose Service für Betriebe, gut vorausgewählte Kandidaten zu erhalten, der im Rahmen des Hamburger Hauptschulmodells entwickelt wurde, soll ebenfalls erhalten bleiben. Unser Ziel ist es, dass das Hauptschulmodell zum Standard-Modell in ganz Deutschland wird. Daran arbeiten wir.

Die Ziele des Hamburger Senats sind dabei folgende:

  • Keiner soll beim Übergang von der Schule in den Beruf verloren gehen.
  • Die systematische und verbindliche Begleitung aller Schüler beim Übergang von der Schule in den Beruf.

Mehr dazu auch in folgendem Video-Podcast:
Hamburger Hauptschulmodell – vom offenen Wissenstransfer zum Bundesnetzwerk (opentransfer.de – Video-Podcast: Hamburger Hauptschulmodell)

2014

Im Oktober 2014 fand das erste HANz!-Netzwerktreffen mit Vertretern von Unternehmen, der Jugendberufsagentur, des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung, der Servicestelle Berufs- und Studienorientierung (BOSO) sowie unterschiedlicher Bildungsträger in Hamburg statt. Es wurden die aktuellen Übergangszahlen von Schule in Beruf diskutiert und sich über diverse Ausbildungsthemen ausgetauscht. Zudem wurde die Zielgruppe von HANz! um Schüler*innen mit schwachen Mittleren allgemeinbildenden Schulabschluss und Jugendliche, die sich bislang vergebens nach ihrer Schulzeit um einen Ausbildungsplatz bewarben, erweitert.

2015

Das zweite HANz!-Netzwerktreffen informierte über die reformierte Form der Höheren Handelsschule und der Höheren Technikschule sowie die daraus resultierenden Chancen und Herausforderungen für die Unternehmen. Im September wurde die vorliegende HANz!-Website online gestellt. Anfang Dezember tauschte sich das HANz!-Netzwerk im Rahmen des dritten Netzwerktreffens über seine Zusammenarbeit mit der Jugendberufsagentur aus und informierte sich über die Ausbildungsförderprojekte „first steps“ sowie „AzubiPlus“.

2016

Im Rahmen des vierten HANz!-Netzwerktreffens tauschten sich im Sommer rund 50 Hamburger Unternehmensvertreter zum Thema „Ausbildung 4.0 – Ausbildung im digitalen Wandel“ aus. Im Worldcafe-Format diskutierten die Personal- und Ausbildungsleiter nach der Einführung mittels der professionellen Keynote „Herausforderungen und Chancen des Personalmarketings im digitalen Zeitalter“ fachbezogen drei Themenblöcke

  • Digitale Bildung – Wie baue ich digitales Lernen in meine Aus- und Fortbildung ein?
  • Digitales Personalmarketing und Recruitingprozess – Wie erreiche ich meine zukünftigen Auszubildenden und wie gestalte ich den Recruitingprozess erfolgreich?
  • Anforderungen an die digitale Berufswelt – Wie verändern sich Berufsanforderungen und welche Kompetenzen sind zukünftig verstärkt gefragt?

Die gesammelten Learnings und zusammengefassten Arbeitsergebnisse wurden den Teilnehmern für ihre tägliche Arbeit im Nachgang zur Verfügung gestellt.

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