HANZ heute

2021 – 20 Jahre Hamburger Hauptschulmodell/ HANz! Hamburger Ausbildungs- Netzwerk

2020

Die inhaltlichen Aufgaben haben sich – ebenso wie das Netzwerk als solches – stetig weiterentwickelt.

HANz steht für: 

  • Chancengerechtigkeit im Bildungswesen, leider ist es heute immer noch ein Thema in welcher Familie, in welchem Land, mit welcher Hautfarbe man geboren wird. Wir versuchen mit unseren Initiativen, dies immer mehr abzuschaffen. Alle Kinder sind von Geburt an gleich. Wir setzen uns beispielsweise für eine Verbesserung der Prüfungsbedingungen für Migranten ein.
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  • Unterstützung im Bereich Übergang Schule Beruf/ Uni (u.a. mit der MUTAcademy und Shift! (Abiturienten für eine Ausbildung gewinnen). Nicht nur für die jugendlichen mit ESA (erstem allgemeinen Schulabschluss) ist es wichtig zu wissen, wie es weiter geht, wie sie in eine für sie passende Berufsausbildung kommen. Auch für Abiturienten ist es entscheiden, daß sie wissen, was sie studieren sollen oder ob sie überhaupt studieren wollen/müssen. Unsere Erfahrungen im HANz! Netzwerk sind, das hier oft zu wenig Aufklärung vorab passiert sind. Über die letzten Jahre wurde immer deutlicher, dass Abiturienten in Fragen der Weiterbildung gegenüber der Ausbildung sehr zurückhaltend sind.  In Hamburg brechen deutlich mehr als die Hälfte der Schulabsolventen mit Hochschulzugangsberechtigung ab. Erste Unternehmen erwägen eine Abkehr von der dualen Ausbildung zugunsten eines dualen Studiums. Es zeigt sich, dass es in der Gesellschaft an Wertschätzung für die duale Ausbildung mangelt. Dementsprechend befürworten die meisten Experten Maßnahmen zur Förderung des Images der beruflichen Bildung.“ (Zitat: BIBB-Expertenmonitor – Berufsorientierung und Passungsproblemen auf dem Ausbildungsmarkt (2018)) 
    In Hamburg entstand deshalb zusammen mit der Politik und den Behörden die Idee einer beruflichen Hochschule (BHH berufliche Hochschule Hamburg 
  •  Lernmethoden und Inhalte an den Schulen und Berufsschulen mehr an die Arbeitswelt anpassen (Digitalisierung, neue Lernformen und -inhalte) 
  • dem MINT Problem entgegenwirken, in Deutschland fehlen 300.000 MINT-Fachkräfte, FAZ, 22.05.2019  
    Bei dem MINT Problem setzen die HANz! Unternehmen“ u.a. bundesweit auf das Konzept der HackerSchool (eine Initiative, die Jugendliche für IT begeistern möchte, auch speziell Frauen im Bereich IT fördert und Jugendlichen mit Migrationshintergrund einen Weg in die Berufswelt bietet) oder auf Formate der Deutschen Telekom Stiftung ( IT@School und Coding&Robotik4Kids) Dabei ist auch ein Ziel, die Lehrinhalte mehr an die Bedürfnisse der Berufswelt anzupassen. Außerdem sollen die Jugendlichen durch eine breitere und tiefere Aufklärung in IT und Berufsthemen einen besseren Einblick bekommen, was sie in dem jeweiligen Beruf/ Studium erwartet, den sie gewählt haben oder wählen wollen. Die Angebote sind freiwillig und kein Zwang für die Jugendlichen, was zur Folge hat, dass die Jugendlichen hier selbständig „Energie“ aufbringen. Durch kleine Erfolge und Mißerfolge in der Programmierung wird ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Auch durch die Tatsache in diesen Workshops mit für sie „fremden Personen“ zusammenzutreffen und evtl. zu scheitern stärkt ihren Charakter und macht sie widerstandsfähiger (Stichwort Resilienz)

     

  • Neue Konzeptideen, wie Ausbildungsvertrag und Mietvertrag („Azubi Housing“). Wir haben in unser jahrelangen Arbeit festgestellt, das es oft sehr wichtig ist, das die Jugendlichen aus ihrem sozialen Umfeld kommen, um sich frei selber entwickeln zu können und dies gilt nicht nur für Kinder von Harz IV Eltern, sondern sehr oft auch für Jugendliche aus behüteten Elternhäusern. 
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  • Kooperationspartner von HANz

HANz ! kooperiert beispielsweise mit JOBLINGE (Vorbereitungsprogramm auf eine betriebliche duale Ausbildung) Da unsere Ziele dieselben sind. Die Mitarbeiter der Joblinge stehen in engem Austausch mit Personalabteilungen von Firmen
Eine weitere Kooperation besteht mit der Initiative „Teach First“, bei der Hochschulabsolventen (sogenannte Fellows) für zwei Jahre an Schulen im Unterricht und außerunterrichtlich als zusätzliche Kräfte tätig werden und Schülerinnen und Schüler besonders bei Übergängen zwischen Schulformen und bei Abschlüssen unterstützen. Die Fellows arbeiten hier eng mit den Personalabteilungen von Firmen zusammen.

 

wie alles begann –

2000

Nur 6,7% der Hamburger Schulabgänger mit Hauptschulabschluss wechseln direkt nach Schulende in eine ungeförderte betriebliche Ausbildung. Und das, obwohl in Hamburg ca. 35% aller Schulabgänger eines Jahrgangs die Schule mit oder ohne Hauptschulabschluss verlassen (darunter 40% ausländischer Herkunft).

Auf Basis dieser Ausgangslage entschlossen sich Dr. Michael Otto (Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group) und Bernd Wrede (der damalige Vorstandsvorsitzende der Hapag Lloyd AG) mit den Unternehmen in der Hamburger „Initiative für Beschäftigung“, Jugendliche mit Hauptschulabschluss bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu unterstützen.

Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit, den ersten zehn Schulen und der Arbeitsstiftung Hamburg wurde das Hamburger Hauptschulmodell entwickelt. Ziel war es, dass jeder Hamburger Schulabgänger mit Hauptschulabschluss, der einen betrieblichen Ausbildungsplatz sucht, auch einen solchen findet. Dieser sollte den jeweiligen Stärken und Interessen entsprechen.

Das Konzept „Hamburger Hauptschulmodell“ basiert auf einem 3-Pfeiler-Konzept:

  • Lehrer,
  • Berufs­berater der Bundesagentur für Arbeit und
  • Personalfachleute aus Betrieben

2001

Die „Koordinierungsstelle Ausbildung“ wird gegründet. Diese bildet das organisatorische Zentrum des Modells und dient als Lotse für Schüler*innen und Unternehmen.

2005

Innerhalb von nur fünf Jahren ist es durch die enge Zusammenarbeit von Schulen, Behörden und Unternehmen gelungen, die Vermittlungs­quote von Hauptschülern und Hauptschülerinnen in ungeförderte betriebliche Ausbildung in Hamburg zu verdoppeln.

 

2008

Eine dreijährige Förderung erhielt das Modell 2008 von der britischen Private Equity Foundation. Sie sprach dem Hamburger Hauptschulmodell insgesamt 180.000 Euro zu, die für die Übertragung des Modells in andere Regionen sowie zur Entwicklung von Qualitätsstandards bestimmt sind.

2009

Die Quote der Übergänge in die ungeförderte duale Ausbildung im unmittelbaren Anschluss an die allgemeinbildende Schule konnte seit 2001 nahezu verdreifacht werden und liegt jetzt bei 18,8 %.

2011 – 10 Jahre Hamburger Hauptschulmodell

Im Vergleich zum Projektstart im Jahr 2001 konnte die Anzahl der Hauptschulabgänger, die direkt nach der Schule in eine ungeförderte Ausbildung starten, verdreifacht werden. Inzwischen wird das Projekt – eine Kooperation von 91 Hamburger Schulen, 75 Unternehmen und Organisationen, dem Hamburger Senat sowie der Berufsberatung – in 19 weiteren Regionen in Deutschland angewendet.

2012

In Hamburg wechseln jetzt direkt 25% aller Schulabgänger mit Hauptschulabschluss in die ungeförderte betriebliche Ausbildung. Das sind 50% der Jugendlichen, die eine betriebliche Ausbildung anstreben, darunter 35% mit ausländischer Herkunft!

Positiv anzumerken sind auch die Einsparungen von ca. 10.000 Euro für jeden Schüler und jede Schülerin, der/die ohne das Hamburger Hauptschulmodell in öffentlich finanzierten Vorbereitungsmaßnahmen aufgefangen worden wäre.

2013

Übergabe der Initiative „Hamburger Hauptschulmodell“ an die Jugendberufsagentur (JBA) und Auflösung der Koordinierungsstelle. Alle Mitarbeiter der Koordinierungsstelle erhalten eine Anstellung in der JBA oder in den Hamburger Instituten für berufliche Bildung (HIBB).

Seit 2013 gibt es den Begriff „Hauptschule“ in Hamburg nicht mehr. Hier spricht man nun vom Ersten allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA). Deshalb haben wir uns umbenannt: aus dem „Hamburger Hauptschulmodell“ wird HANz! Hamburger Ausbildungs-Netzwerk.

Die Ziele des Hamburger Senats sind dabei folgende:

  • Keiner soll beim Übergang von der Schule in den Beruf verloren gehen.
  • Die systematische und verbindliche Begleitung aller Schüler beim Übergang von der Schule in den Beruf.