Die ersten 100 Tage: Beziehung statt Abwarten
Beim letzten Netzwerktreffen von HANZ ging es um die ersten 100 Tage der Ausbildung.
Ein Satz von Dr. med. Gundolf Berg (Ausbildungsanker / Stiftung „Achtung!Kinderseele“)
ist uns besonders im Kopf geblieben:
„Ein Ausbildungsabbruch beginnt nicht mit der Kündigung, sondern viel früher: Mit dem Moment, in dem ein junger Mensch sich nicht mehr gesehen, verstanden oder zugehörig fühlt.“
Genau da setzte unser Austausch an: Was können Unternehmen in der frühen Ausbildungsphase konkret tun, um Auszubildende zu stärken?
Was hilft wirklich?
Die Antwort war ziemlich eindeutig: Es muss nicht alles perfekt sein.
Aber es braucht Regelmäßigkeit und eine echte Haltung.
Konkret genannt wurden:
- Regelmäßige Gespräche – auch mal ohne konkreten Anlass
- Verlässlichkeit und Authentizität
- Klare, realistische Erwartungen
- Wertschätzung und konstruktives Feedback
- Verantwortung, die zum Ausbildungsstand passt
- Und vor allem: Beziehung von Anfang an
Denn wenn Vertrauen da ist, trauen sich Auszubildende auch, Fragen zu stellen, Fehler anzusprechen und sich Hilfe zu holen.
Früh hinschauen statt spät reagieren
Philip Stüve vom JOBLINGE basecamp hat in seinem Impuls genau diesen Punkt aufgegriffen: Je früher Schwierigkeiten sichtbar werden, desto mehr Handlungsmöglichkeiten gibt es.
Die Stolpersteine können ganz unterschiedlich sein – von Unsicherheiten im Betrieb über Lernprobleme bis hin zu persönlichen oder familiären Belastungen.
Fünf Tipps für Betriebe:
-
Früh ins Gespräch kommen – nicht warten, bis ein Konflikt eskaliert
-
Beobachtung statt Vorwurf – konkretes Verhalten ansprechen,
statt vorschnell zu bewerten -
Erwartungen klären – Aufgaben, Kommunikation und Verantwortlichkeiten konkret machen
-
Kleine nächste Schritte vereinbaren – was soll bis wann passieren und wer unterstützt dabei?
-
Unterstützung zulassen – nicht jedes Problem muss ein Betrieb allein lösen
Das basecamp unterstützt Auszubildende zum Beispiel bei Lernproblemen, Konflikten, Finanzen, Motivation, Stress und mentaler Gesundheit.
Unser Fazit
Gute Ausbildung passiert nicht nur im Ausbildungsplan. Das war die gemeinsame Klammer beider Vorträge: Ausbildung braucht Fachlichkeit – aber auch Beziehung, Orientierung und Aufmerksamkeit.
Ein kurzes Gespräch. Eine Nachfrage. Ein ehrliches Feedback. Ein gemeinsamer Kaffee.
Es muss nicht immer das große Programm sein. Manchmal beginnt gute Begleitung ziemlich unspektakulär:
„Wie geht es dir eigentlich gerade?“ „Was brauchst du?“
Danke an Dr. med. Gundolf Berg und Philip Stüve für die wertvollen Einblicke und Impulse,
die uns als Netzwerk weiterbringen.



